Ulrike Koppermann – Das visuelle Narrativ des Fotoalbums „Umsiedlung der Juden aus Ungarn“. Ein Einblick in die ‚Täterperspektive‘?

🗓 Mittwoch, 07. November 2018, 18 – 20 Uhr in Raum C 214

In der Kontroverse um die heutige Verwendung des Fotomaterials der SS in Ausstellungen, Publikationen oder Dokumentarfilmen überschneiden sich zwei Debatten: Zur Disposition steht die (Il-)Legitimität des Zeigens und Betrachtens von Fotografien, auf welchen Erniedrigungen, Gewalt und Leid zu sehen sind. Zugleich geht es um die Frage, inwiefern eine ideologische Vereinnahmung der Motive im Sinne einer ‚Täterperspektive‘ aktualisiert wird oder BetrachterInnen eigenständige Lesarten entwickeln.
Vor diesem Hintergrund will die exemplarische Untersuchung des heute ikonischen Fotoalbums „Umsiedlung der Juden aus Ungarn“ die ‚Täterperspektive‘ als analytische Kategorie erproben und diskutieren. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie Sinngebungen der SS in der narrativen und fotografischen Repräsentation des Massenmordes interpretiert und dekonstruiert werden können und welche Grenzen beispielsweise die fragmentarische Überlieferung zum Entstehungsprozess des Albums dieser Analyse setzt.

Flaschenpost aus dem „Judendurchgangslager“ Westerbork: Revision von Rudolf Breslauers Filmbildern (1944) und Harun Farockis „Aufschub“ (2007)

🗓 Mittwoch, 14. Juni 2017, 18 Uhr in Raum C 214

Medienhistoriker Axel Doßmann ist zu Gast im Oberseminar Neuere und Neuste Geschichte.

Wie lässt sich Geschichte von Verbrechen angemessen darstellen? Wie zeigt man etwas, dass sich der Sichtbarkeit entzieht? „Wie kann man die Opfer zeigen, ohne ihnen mit den Bildern ihres leidvollen Sterbens und Todes noch einmal Gewalt anzutun?“ (Farocki) Solche Fragen stellen sich beim Schneiden und Montieren von Film ebenso wie am Schreibtisch von Historiker_innen. Axel Doßmanns Vortrag stellt Montagen aus Harun Farockis Stummfilm „Aufschub“ vor, in denen er Thesen erprobt und sich den erinnerungskulturellen Dimensionen von historischer Vorstellung widmet. Gegenstand sind Archivbilder aus der Hand des Gefangenen Rudolf Breslauer aus dem Lager Westerbork 1944. Mit Tagebüchern, Briefen und Zeichnungen erweitert Doßmann das Quellenspektrum und stellt neue Überlegungen zur „vergangenen Zukunft“ dieser Bilder zur Diskussion. (Foto aus „Aufschub“, das Farocki mit einem Insert kommentiert, dass wir andere Bilder aus einem Lager der Nazi-Deutschen erwarten würden.)

Fotografische Öffentlichkeit. Der Markt für Pressebilder in Westeuropa und den USA 1880-1945

🗓 Mittwoch, 3. Mai 2017, 18:00 Uhr in Raum C 214

Dr. Malte Zierenberg ist zu Gast im Oberseminar Neuere und Neuste Geschichte.

Die globale Welt des 20. Jahrhunderts wurde maßgeblich über Massenbilder hergestellt, die seit der Jahrhundertwende immer häufiger ihren Weg in Zeitungen und Magazine fanden. Anders als Texte überwanden Pressefotografien scheinbar mühelos Räume und Grenzen und wurden so Wegbereiter für geteilte Wahrnehmungen und Beschreibungen der Gegenwart. Eine westliche Image Community entstand, eine fotografische Öffentlichkeit, die über den neuen Bildermarkt Vorstellungen von Politik und Gesellschaft verhandelte.