Frauenquote – eine nützliche Krücke für Frauen im Journalismus?

Von Eva Steinbrecher

Vier prominente Gäste diskutierten bei der Podiumsdiskussion „Männerhochburg im Umbau – Wie Frauen den Journalismus verändern“ am Freitag, den 6. Februar im Gießener Rathaussaal über den derzeitigen Wandel im Journalismus. Dazu hatten die Studentinnen und Studenten der Fachjournalistik Geschichte eingeladen. Neben Carmen Thomas folgten auch Georg Cadeggianini, Chris Köver und Robin Detje der Einladung.

Radio- und Fernsehmoderatorin Carmen Thomas war Expertin für die vergangenen Jahrzehnte und kon­nte von so einigen Hürden während ihrer Karriere berichten. Sie sprach von „muslimischen Zuständen in den 70er Jahren“, als Männer noch für ihre Ehefrauen die Arbeitsverträge unterschrieben, und von An­fein­dun­gen in der Zuschauerpost, nicht zuletzt wegen ihrer Kleidung und ihres Auftretens vor der Kame­ra. Die Podiumsgäste waren sich alle einig, dass heute Journalistinnen akzeptierter sind. Allerdings ist ein höherer Frauenanteil bestenfalls in den für viele Männer unattraktiven Bereichen zu finden. Somit arbei­ten die meisten Journalistinnen eher in den unteren Etagen. Das hat sich über all die Jahre kaum verändert.

Zu der Problematik, dass wenige Frauen in den Chefetagen zu finden sind, sagte Chris Köver: „Das Netzwerken unter Frauen ist heute immer noch sehr schwer, da es kaum Frauen in mächtigen Positionen gibt, mit denen man netzwerken kann.“ Sind deshalb hauptsächlich Frauen in Frauenmagazinen und Blogs ihre eigenen Chefs? Aber nicht nur Frauen haben mit den Männern ihre Probleme. Robin Detje berichtete von einer Herrenzimmermentalität, wer da nicht mitmache, gehöre eben nicht dazu. Frauen haben sich lange Zeit eher noch gegenseitig bekämpft, Thomas nannte es „Stutenbissigkeit“. Sie ist auch heute noch der Meinung, dass Frauen sich nicht richtig organisieren und deswegen immer wieder gegen die Männer verlieren.

Georg Cadeggianini berichtete aus einer hauptsächlich weiblichen Redaktion über sehr harmonische Redaktionssitzungen. Hier würden alle Meinungen gehört. Unterschiede zwischen Männern und Frauen würden nicht gemacht. Allerdings ist dies eher noch ein Sonderfall. Als Gegenargument könnte man die Tatsache nennen, dass laut Thomas, Männer selten Verantwortung abgeben. Als Beispiel nannte sie ihre Sendung „Hallo-Ü-Wagen“. Für diese Sendung wurde sie eher belächelt und kritisiert, da sie die Meinung der Zuschauer mit einbezog und somit einen Teil ihrer Sendung in fremde Hände legte. Aus dieser Tatsache hat sich auch das Ergebnis der Podiumsdiskussion abgeleitet, denn alle sind sich einig, dass es eine Frauenquote in den Führungspositionen geben muss. Es sei offensichtlich, dass Frauen nicht ohne Unterstützung voran kommen und wenn eine Quote hilft, dann soll diese Chance genutzt werden.

Die Gäste waren:

  • Carmen Thomas: moderierte u.a. das Aktuelle Sportstudio, erfand und machte beim WDR Hallo Ü-Wagen und ist heute Dozentin an ihrer eigenen Moderationsakademie
  • Georg Cadeggianini: Brigitte-Redakteur, WDR-Kolumnist und freier Journalist
  • Chris Köver: Chefredakteurin des Missy Magazines und freie Autorin
  • Robin Detje: ehem. Literatur-Ressort-Leiter der ZEIT und der Berliner Zeitung, Übersetzer und Regisseur.

Die Moderation übernahmen die Studentinnen Friederike Piotrowski und Tabea Bodenstedt.