Ulrike Koppermann – Das visuelle Narrativ des Fotoalbums „Umsiedlung der Juden aus Ungarn“. Ein Einblick in die ‚Täterperspektive‘?

🗓 Mittwoch, 07. November 2018, 18 – 20 Uhr in Raum C 214

In der Kontroverse um die heutige Verwendung des Fotomaterials der SS in Ausstellungen, Publikationen oder Dokumentarfilmen überschneiden sich zwei Debatten: Zur Disposition steht die (Il-)Legitimität des Zeigens und Betrachtens von Fotografien, auf welchen Erniedrigungen, Gewalt und Leid zu sehen sind. Zugleich geht es um die Frage, inwiefern eine ideologische Vereinnahmung der Motive im Sinne einer ‚Täterperspektive‘ aktualisiert wird oder BetrachterInnen eigenständige Lesarten entwickeln.
Vor diesem Hintergrund will die exemplarische Untersuchung des heute ikonischen Fotoalbums „Umsiedlung der Juden aus Ungarn“ die ‚Täterperspektive‘ als analytische Kategorie erproben und diskutieren. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie Sinngebungen der SS in der narrativen und fotografischen Repräsentation des Massenmordes interpretiert und dekonstruiert werden können und welche Grenzen beispielsweise die fragmentarische Überlieferung zum Entstehungsprozess des Albums dieser Analyse setzt.

Ulrike Koppermann, M.A., ist Doktorandin am Lehrstuhl für Fachjournalistik Geschichte am Historischen Institut der JLU Gießen. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaften an der Universität Potsdam und der Europa-Universität Viadrina/Frankfurt O. Von 2015 bis 2017 koordinierte sie an der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein pädagogisches Projekt zum methodischen Einsatz historischer Fotografien in der Bildungspraxis und als wissenschaftliche Hilfskraft recherchierte sie für die historischen Gutachten zu Strafprozessen gegen ehemaliges SS-Personal der KZ Auschwitz und Stutthof.