Blogbeitrag Massenmedien und Glaubwürdigkeit

Blogbeitrag Massenmedien und Glaubwürdigkeit

 

„Glaubst Du noch oder weißt Du schon?“, so der provokante Titel einer wissenschaftlichen Tagung am 24. November 2017 im Institut für Zeitungsforschung in Dortmund. Die Lage sei ernst: das Vertrauen des Publikums in „die Medien“ auf einem Tiefstand, Medienkritik gang und gäbe, wie Astrid Blome, Leiterin des Instituts, es bereits in ihrem Einführungsvortrag auf den Punkt brachte. Welche Rolle spielt also Glaubwürdigkeit von Medien – in historischer wie aktueller Perspektive?

Im Verlaufe des Tages näherten sich die geladenen Medien- und Kommunikationsforscher diesem komplexen Themenfeld über verschiedene Wege: vom journalistischen Ethos in der Frühzeit der deutschen Presse (Holger Böning, Bremen), der Entfesselung des keineswegs so neuen Vorwurfs einer „Lügenpresse“ noch vor dem Ersten Weltkrieg (Jürgen Wilke, Mainz) über die theoretische Frage nach der Konturierung und den intermediären Strukturen in einer ausdifferenzierten Kommunikationsgesellschaft (Ottfried Jarren, Zürich) bis hin zu einer empirisch angelegten Untersuchung von Glaubwürdigkeit in aktuellen Medien (Lutz M. Hagen, Dresden) und der Infragestellung des Glaubwürdigkeitsparadigmas an sich als historischem Konstrukt (Michael Meyen, München).

In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurden die verschiedenen Facetten von Glaubwürdigkeit und Medien am Beispiel rechtspopulistischer Tendenzen ausgelotet. Medienkompetenz und Mediennutzung, Vielfalt und Vertrauen, Einflussnahmen von politischer Seite und ökonomische Notwendigkeiten waren dabei zentrale Stichworte, um die die Diskussion kreiste. Aus dem Redaktionsalltag berichteten Peter Bandermann (Ruhr Nachrichten) und Siglinde Neumann (Kölner Express), denen es so gelang, die theoretischen Überlegungen auch für die praktische journalistische Arbeit nutzbar zu machen.

Was also tun? Angesichts eines enormen Aktualitätsdrucks und den Wandlungen der Medienlandschaft durch die fortschreitende Digitalisierung seien es die Grundlagen des Journalismus, eine kritische Recherche und die Einhaltung der Sorgfaltspflicht etwa, auf die es sich zu besinnen gelte. Nur so könnten Qualität und Unabhängigkeit der Massenmedien, eine hohe Themen- und Meinungsvielfalt und damit die Publikumsbindung gestärkt werden, so der einhellige Tenor. Die praktische Umsetzung allerdings wird wohl auch in Zukunft jeden Tag neu zu treffende redaktionelle Entscheidungen mit sich bringen.

Siehe auch: zeitungsforschung.dortmund.de