Flaschenpost aus dem „Judendurchgangslager“ Westerbork: Revision von Rudolf Breslauers Filmbildern (1944) und Harun Farockis „Aufschub“ (2007)

🗓 Mittwoch, 14. Juni 2017, 18 Uhr in Raum C 214

Medienhistoriker Axel Doßmann ist zu Gast im Oberseminar Neuere und Neuste Geschichte.

Wie lässt sich Geschichte von Verbrechen angemessen darstellen? Wie zeigt man etwas, dass sich der Sichtbarkeit entzieht? „Wie kann man die Opfer zeigen, ohne ihnen mit den Bildern ihres leidvollen Sterbens und Todes noch einmal Gewalt anzutun?“ (Farocki) Solche Fragen stellen sich beim Schneiden und Montieren von Film ebenso wie am Schreibtisch von Historiker_innen. Axel Doßmanns Vortrag stellt Montagen aus Harun Farockis Stummfilm „Aufschub“ vor, in denen er Thesen erprobt und sich den erinnerungskulturellen Dimensionen von historischer Vorstellung widmet. Gegenstand sind Archivbilder aus der Hand des Gefangenen Rudolf Breslauer aus dem Lager Westerbork 1944. Mit Tagebüchern, Briefen und Zeichnungen erweitert Doßmann das Quellenspektrum und stellt neue Überlegungen zur „vergangenen Zukunft“ dieser Bilder zur Diskussion. (Foto aus „Aufschub“, das Farocki mit einem Insert kommentiert, dass wir andere Bilder aus einem Lager der Nazi-Deutschen erwarten würden.)